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Samstag, 16. Februar 2013

Pret à Diner - un peu


Berlin wird seinem Ruf gerecht - es tut sich was.
Zum Beispiel bei Prêt à Diner, einem "Pop-Up"- (Kurzfrist-) Restaurant im ehemaligen Niemandsland. Die Kulissenwerkstatt der Oper wurde für sechs Wochen neu bestuhlt und super gestylt. Dazu wurde eine Kunstgalerie und eine Bar / Raucherparadis mit Shop aufgebaut.
Es gab ein fantasievolles Menu mit etwas Variationsmöglichkeiten und Mini-Portionen. Danach an die Bar, oder, für die Hungrigen, zur Curry-Wurst! Erleichtert kann er gehen: Mit 100 Euro pro Person ist er auf alle Fälle schon mal dabei.
Aber schön war es doch!


Sonntag, 8. Januar 2012

Babies und Sportler...

trinken gerne aus der Flasche!

Ist es eigentlich ein Trend, heute aus der Flasche zu trinken? Früher war ja speziell beim deutschen Bier der Schaum so wichtig, und da waren wir stolz, ein edles Pils aus einem edlen Glas zu genießen. Hat sich da was geändert?

Ich fragte meine Tochter, unfehlbare Repräsentantin einer neuen Generation. „Klar trinke ich aus der Flasche, besonders auf Festen.“ Allerdings sind das keine Gross-Flaschen, die die Runde machen, sondern jeder hat seine eigene kleine 0,33 l Longneck.

Die zweite Versuchsperson ist Daniele, Hi-Tech-Fachmann der neuen Generation. „Zu Hause trinke ich sowieso kein Bier. Und im Biergarten muss es natürlich aus dem Glas sein!“ So haben sich die Zeiten geändert!

Eine Recherche bei Google ergab, dass das noch nicht überall bekannt ist. So stellt z.B. der offensichtlich artfremd aufgewachsene „Coffee Mike“ die diskriminierende Frage: „Warum können Frauen nicht aus der Flasche trinken?“ Obwohl er vielleicht manchmal Recht haben könnte, gilt das heute nicht mehr als politisch korrekt. Viel einfacher ist die Antwort auf die von Laela 291 gestellte Frage: „Mein Baby kann nicht aus der Flasche trinken, es will immer die Brust!“ Was der jungen Frau nicht klar zu sein scheint, ist, dass es auch auf den Inhalt ankommt. Nach eigener Angabe versucht sie, das Kind von Muttermilch auf Fencheltee umzustellen. Aber das Kind will nicht (Wir gratulieren: Offensichtlich verfügt das Kind über Selbsterhaltungstrieb und Geschmack!)

Und was macht die Prominenz? Rihanna und George Clooney trinken ihr Corona nur aus der Flasche, selbst wenn es in einem edlen Restaurant auf dem Silbertablett serviert wird. Harald Juhnke ist out, und Paris Hilton bevorzugt Prosecco. Deutlich ist aber, dass die frühere Männerdomäne des „aus der Flasche Trinkens“ von den Frauen längst erobert worden ist.

Auch echten Biertrinkern kommt es auf die Flasche an. Becks muss man aus der Flasche trinken, Weißbier lieber nicht. Das liegt natürlich nicht nur am erhöhten CO2-Gehalt, sondern auch daran, dass die erotisch geschwungene Form des Weißbierglases den Genuss deutlich erhöht. Hinzu kommt das Problem, was man mit einer eventuellen Zitronenscheibe machen soll, wie der Kenner mexikanischer Spezialgetränke weiß. Dort werden Zitrone und Salz in den Flaschenhals gesteckt, bevor man zum direkten Genuss ansetzt. Ein verstopfendes Erlebnis!

Immerhin kann man einem sorgfältig gebrauten Bier viel besser die Ehre erweisen, indem man seinen Schaum testet, die Farbe bewundert, die Aromen mit der Nase erspürt und erst dann das Produkt zum Gaumen sprechen lässt. Das bedeutet fast automatisch: Der Fein­schmecker braucht ein qualifiziertes, gut gespültes Bierglas!

Nein, Biergläser haben noch nicht ausgedient. Aber wenn sie auf dem Union Square in Manhattan vor der Heartland Craft Brewery sitzen, wird ihnen plötzlich eines klar: Zum echten Mother’s Milk Maibock gehört eigentlich ein Steinkrug. So viel Geschmack passt gar nicht in die Flasche!

aus meiner Kolumne im "Beverage Manager International"

Samstag, 26. März 2011

Fisch macht glücklich

Das Fischmenu beim Hotel Gottfried in Moos am Bodensee (bei Radolfzell) ist bestaunenswert und kann nur empfohlen werden. Dazu passt nicht nur Grauburgunder, sondern z.B. auch ein Paulaner Hefeweissbier.
Guten Appetit!



Fisch Menü

Gruß aus der Küche
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Carpaccio von Saibling und Zander mit Kartoffel-Saiblingskaviar-Törtchen
oder
3 verschiedene Tapas vom Bodenseefisch mit Kaviar
2008 Hagnauer Burgstall, Müller-Thurgau Kabinett, trocken, Winzerverein Hagnau, Bodensee
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im Frühlingskleid konfierter Saibling auf Creme-Spinat
2008 Meersburger Sängerhalde Rosé, trocken, Weingut R.&M. Aufricht, Meersburg
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Hecht mit Mönchspfeffer gebraten auf Bärlauch-Kartoffelstampf mit Bodenseeschneckenbutter, Tomaten, Kapern, Zwiebeln und Topinamburchips
 2006 Ihringer Winklerberg Grauburgunder GG, trocken, Weingut Dr. Heger, Ihringen
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im Mojito marinierter Rhabarber mit Erdbeeren

Montag, 12. April 2010

Eine Wachtel auf Reisen

Kurz nachdem man am letzten Maulwurfshügel von Taupignac (297 Einwohner, 62 m über dem Meer) vorbeigefahren ist, genießt man die Aussicht auf die breite Tiefebene vor Breulliet mit ihren Sonnenblumenfeldern, die sich bis zum Horizont erstrecken. Am Ortseingang von Breuilliet (697 Einwohner, 82 m über dem Meer) empfängt einen dann eine pädagogisch gemeinte Schwelle, die sich quer über die Distriktsstraße zieht und die den Autofahrer zur Verlangsamung zwingen oder ihn dann nachträglich neue Stoßdämpfer anschaffen lassen soll.
Breuilliet beherbergt immerhin 7 Handwerksbetriebe, eine Kirche, ein Café und die örtliche Viel-zweckhalle, in der sich bis zu 300 Personen zum jährlichen Lotto des Heimatvereins treffen können.
 
Und genau neben dieser Halle, in einem eher unscheinbaren Haus, leuchten plötzlich ortsuntypisch große Fensterscheiben und ein Transparent: „L‘Aquarelle“. Was zum Teufel hat Xavier Taffart bewogen, sich hier anzusiedeln? Wir werden es nie erfahren, denn er bleibt in der Küche und lässt sich auf ein Gespräch mit den Gästen nicht ein. Vielleicht ist es ja sein Elternhaus, und, falls er es gekauft hat, war es sicherlich günstig. Etwa 40 Plätze hat das Lokal, und obwohl es erst 2009 eröffnet worden ist, wird es schon im Michelin und im Gault Millau erwähnt, hat also eine 100%ige Abdeckung bei den maßgeblichen Feinschmecker-Bibeln erreicht. Zum Aperitif gibt es für die Damen einen Pineau de Charente aus der Region, also mit Cognac veredelten Traubensaft, süßlich und kräftig. Wer so eigenwillig ist, 1000 km vom nächsten Sudkessel entfernt hier ein Bier bestellen zu wollen, bekommt ein winziges Glasfläschchen im Puppenformat von 0,25 l, aus Belgien gebürtig, immerhin schön kalt.
 
Während wir noch über das tiefbraune und mit kräftigem Grün gedoppelte Erdfarben-Dekor des Raumes nachdenken, serviert die Dame des Hauses bereits einen Gruß aus der Küche, den man an so abgelegener Stelle vielleicht nicht erwartet hätte: drei Schälchen, mit einem Schaum aus Krabbeneiern, mit einem gebackenen Gemisch von Soja und Vanille und ein winziges Stück Mousse von der Kichererbse, arabisch gewürzt. Um die Auswahl der eher kurz gehaltenen Speisekarte zu erleichtern, wird später noch ein Süppchen – Topinambur mit Trüffelöl – in einer futuristisch geformten Glasschale serviert.
Für nur 36 € bestelle ich ein Menu, das mit einem kleinen Turm aus Hasenschinken beginnt. Er steht senkrecht auf dem Teller und wird von allerlei Gewürztröpfchen umgeben, die mit winzigen tournierten Gemüsestückchen verziert werden. Das schmeckt herzhaft, aromatisch, sättigt nur ein wenig und lockt die Zunge, die sich mehr davon wünscht.
Während uns ein Glas kräftiger Clairet aus Bordeaux eingeschenkt wird, kann ich die zweite Vorspeise zumindest besichtigen: ein kanadischer Hummer, in drei unterschiedlichen Verfahren gegart, wird auf einer relativ großen Platte serviert, wenn man die eher zarten Ausmaße der einzelnen Portionen berücksichtigt. Einmal gebraten, einmal gegart und einmal im Schlafrock, so könnte man es vereinfacht sagen und würde damit der Koch- und insbesondere der Dekorationskunst des Meisters nicht gerecht. Es ist die richtige Vorspeise für jemanden, der „Fisch satt“ haben möchte, denn sonst würde die nachfolgende Lotte (Seeteufel, Anglerfisch) im Safransud nicht mehr passen. Auch sie richtet sich steil auf dem Teller auf, aber trotz dieser vorgetäuschten Härte zergeht sie auf der Zunge und hinterlässt ein erdiges, ein wenig märchenhaftes Erlebnis auf der Zunge.

 
Ein deutlicher Geruch von geräuchertem Kiefernholz zieht vom Nachbartisch herüber, wo ein Kalbstatar mit Stockfischeis (!) in einer Rauchwolke serviert wird - und der Rauch ist echt. Es dürfte schon einiges Geschick dazugehören, ihn unter die gläserne Cloche zu praktizieren, die von der Kellnerin erst leicht angehoben und dann triumphierend umher geschwungen wird, um den Duft zu verteilen.
Inzwischen kommt auch meine Wachtel angereist. Auf der Speisekarte ist sie als „Caille Voyageuse“ angekündigt, und dieser etwas ungewöhnliche Titel des Gerichts spiegelt sich in seiner befremdlichen Erscheinung. Serviert wird nämlich ein großes Luftpostkuvert auf einem flachen Teller. Das Kuvert scheint irgendwie gefüllt zu sein. Man muss nicht lange darüber nachdenken, was es enthält, denn schon kommt die Chefin mit der großen Schere, schneidet es an einer kurzen Seite auf und drückt sanft die ganze entbeinte Wachtel heraus, die in diesem Kuvert zusammen mit exotischen Früchten gegart worden ist. Keine Angst, auch eine ganze Wachtel macht noch keine übergroße Portion aus und trotzdem würde ein einfaches Luftpostporto für diesen Brief wohl nicht reichen.

 
Das Kuvert entpuppt sich bei näherem Ansehen als innen mit einem Plastikbeutel ausgefüttert, und die Wachtel als eines der delikatesten Vögelchen, das ich je versuchen durfte. Vielleicht ist es die besondere Art Fernweh, die einen nur anfallen kann, wenn man in der tiefsten Provinz festgenagelt sitzt und nicht mehr wegkommt von einem solchen Flecken mit seinen 697 Einwohnern, von denen die Hälfte in Rente ist und die andere Hälfte verwandt. Wir jedenfalls waren begeistert und hatten überhaupt keine Mühe, eine Flasche Chateau Maison Neuf aus dem nahegelegenen Gebiet von Blaye(Bordeaux)zu genießen, die dort beim Weingut wahrscheinlich für 5 oder 7 € erhältlich ist und jeden badischen Rotwein mit Leichtigkeit aussticht, der zum doppelten oder dreifachen Preis verkauft werden soll.
Nach so viel Ungewöhnlichem kann es nicht normal weitergehen. Bei diesem Menu hat man, obwohl es nur 36 € gekostet hat, nicht die Wahl zwischen Dessert oder Käse, sondern es wird beides serviert. Ich erlaube mir ein Stückchen Ziegenkäse, ein wenig Reblochon und ein Stückchen Roquefort, um dann mit banger Erwartung dem eigentlich Nachtisch entgegenzusehen.
Bange Erwartung? Nun, man hatte uns eine Kartoffelsuppe angekündigt, in der ein Stückchen exotisches Eis schwimmen würde. So war es dann auch, und niemand wird es uns übel nehmen, wenn wir nach all den lobenden Worten uns jetzt die Anmerkung erlauben, dass die Kartoffelsuppe eben (ein bisschen) nach Kartoffeln geschmeckt hat und das Eis eben nach exotischen Früchten, Beides zusammen aber eher weniger. Man muss ja auch mal etwas Neues probieren dürfen! Da hat uns das Rote-Beete-Eis mit Zitrone schon besser gefallen, obwohl es sicherlich genauso ungewöhnlich war und im Übrigen eine enorme Färbekraft auch auf neutral gehaltenen Hemden aufweist...
Sicherlich ist Kochen nicht gerade eine junge Kunst, denn gegessen wird schon immer. Aber es ist doch immer wieder eine schöne Überraschung, wenn uns eine ungewöhnliche Küche mit intensiven Geschmackserlebnissen überzeugen kann - selbst wenn sie an einem Ort steht, den man auf einer größeren Landkarte gar nicht erst zu suchen braucht!
Der Umweg lohnt sich!